Von den Erfahrungen der Liebe, Teil 1

28.11.2020@Dubrovnik, Kroatien – kurz vor Vollmond

Die Traurigkeit ist wieder da und ja, es ist wohl gut so. Kein Licht ohne Schatten. Sie ist das Gegenstück zur Fröhlichkeit, der Ausgleich, die Balance.

Die gestrige Impuls-story von Christine hat mich bewegt, auf ganz besondere Weise. Sie hat mich tief entspannt und unglaublich müde werden lassen. Ich musste nichts mehr, ich durfte einfach nur zuhören und jemand anderes hatte sich Gedanken dazu gemacht welche Fragen gerade dran waren. Ich musste nicht nach ihnen suchen, mich nicht bemühen einzutauchen in die tiefen Gänge meines Bewusstseins und nach Fragen suchen, die mich weiter bringen würden. Das hatte bereits jemand getan und ich durfte die Fragen und die Geschichte einfach annehmen und wirken lassen. Das hat mich tief entspannt und es war ein sehr schönes Gefühl.

Nun war auch der Blickwinkel ein anderer, die Richtung hatte sich fast unmerklich um 180° gedreht und ich war weg vom Aufnehmen äußerer Reize und bei mir angekommen, in der Innenschau anstatt nach außen zu gucken. Mir wurde bewusst wie erschöpft ich war, wie gesättigt von Reizen und wie müde vom für mich sorgen. Vom Überlegen wohin als nächstes, vom Planen oder besser vom Ausprobieren, vom Agieren und Reagieren, vom Anpassen und Ändern, vom Suchen und Finden, bis die Zeit für Veränderung wieder gekommen war.

Ich bin alleine, ich reise alleine, sorge für mich selbst und entscheide für mich ob etwas gut so ist oder ob ich es anders machen sollte. Ich betrachte, mache mir Gedanken, entscheide und tue was auch immer ich für richtig empfinde. Das ist gut, das ist Freiheit und Eigenverantwortung aber es ist auch anstrengend. Ich mache alles mit mir selbst aus, für mich alleine und ohne Zuspruch oder Einspruch. Ich trage alles selbst und verantworte alles für mich alleine, ich motiviere mich und manchmal bremse ich mich auch ein, ich überzeuge mich, lobe mich und ärgere mich, wenn ich etwas getan habe, was mir mehr schadet als nützt. Ich gebe und nehme mir Energie.

Dies ist der kleinstmögliche Kreislauf in dem ein Leben sich drehen kann, in dem Widerstände und Rückenwind gespürt werden können und es ist eine einzige Quelle von Energie, die all das speist und von der ich schöpfe. Meine Quelle ist meine Selbstliebe. Es ist schön und anstrengend, Schönheit und Schmerz. Ich spüre all das, besonders jetzt, kurz vor Vollmond und nach 2 Monaten der Reise. Ich möchte mich anlehnen, aber wo? Ich möchte mich fallen lassen, hingeben, loslassen aber eine Frage lässt mich nicht los. „Was kommt als nächstes?“

Wie schön wär es wenn jemand für mich da wäre, für mich sorgen würde, einfach so, für mich. Bedingungslos. Liebt. Mich liebt.

Das ist die Erfahrung nach der sich meine Seele sehnt, die sie kennt und wieder erfahren möchte, nach der sie sich immer sehnen wird. Bekannt sind ihr aber auch andere Erfahrungen der Liebe.

Schönheit und Schmerz

Momente der Schönheit

Seit Beginn dieser Reise begleiten mich die Pole Schönheit und Schmerz. Sie bilden das Spannungsfeld, in dem sich meine Themen zeigen. Immer wieder taucht es auf, in ganz unterschiedlicher Intensität. Ich tanke Kraft in der Schönheit, nehme sie wahr und lasse die Gefühle von Glück und Erfüllung durch mich durch strömen, nehme Schönheit in mich auf und lasse sie all meine Zellen füllen und meine Kräfte nähren. Es gab Momente, die mich in ihrer überwältigenden Schönheit mit solchem Glück und so viel Liebe erfüllt haben, dass ich den Tränen nahe war. Oft sind das Momente in der Natur. Diese Momente sind meine Vorbereitung um Schmerz erfahren und leben zu können. Ich empfinde beides oft ganz nah beieinander, am selben Tag im selben Augenblick, und auch in Momenten des Schmerzes nehme ich noch Schönheit wahr. Schönheit ist noch immer stärker als Schmerz, kommt immer wieder zurück, auch wenn sie für Augenblicke oder Tage verdrängt wurde, Platz gemacht hat, und glücklicherweise meist intensiver als der Schmerz. Schmerz bleibt auch jetzt, auf dieser Reise und nach vielen Jahren intensiver Begegnungen mit ihm, nicht aus. Er scheint fast zu mir zu gehören, will Teil von mir sein. Ich will das eigentlich lieber nicht, aber wenn er dann da ist zeigt er mir worum es geht, welche Wunde meine Seele erfahren hat und dass diese noch nicht geheilt ist. Ich bin auf meiner Seelenreise, das gehört dazu, wie bereits die letzten Jahre. Ich nehme und gebe mir gerne den Raum für Begegnungen mit mir selbst, mit meiner Seele und dem was sie mitgebracht hat und wenn die Tränen den Schmerz freigelegt und mir gezeigt haben worum es geht fühle ich mich mir selbst wieder ein Stück näher. Tränen befreien vom Schmerz. Bis zur nächsten Begegnung.

Bedingungslose Liebe und Tod

Ich glaube bis jetzt beim Thema der Liebe in meinem Leben etwas ganz wesentliches übersehen zu haben. Mir ist nie bewusst gewesen, dass meine Seele, die schon so viele Leben vor mir gelebt hat, und mit ihr das Herz der Waldläuferin, den Tod ihrer großen Liebe und den Schmerz über diesen Verlust nie zulassen, fühlen und heilen lassen konnte. Zu sehr war sie damit beschäftigt ihr eigenes Leben zu retten und sich schließlich dem eigenen Tod hinzugeben, dem Sturz in den Abgrund und dem Hinabsinken auf den dunklen Meeresgrund. In ihrem Leben gab es keinen Platz, keine Zeit um den Verlust dieser wahren, bedingungslosen Liebe zu betrauern. Sie hat den Schmerz geschluckt und mit sich in den Tod genommen, so wie der dunkle Ozean sie geschluckt hat. Aber sie hat sie auch erlebt und gefühlt, die einzig wirkliche Liebe, die Liebe, die bedingungslos ist. Das Herz der Waldläuferin, meine Seele hat seitdem das Trauma diesesVerlusts und die Sehnsucht nach dieser Liebe in sich getragen. Sie war in ihrer Sehnsucht und in diesem Schmerz gefangen und ihre Wege schienen einer unbeendeten Suche zu folgen, dahin zurück wo Liebe und Freiheit noch lebten. Ohne den Tod anerkannt zu haben und ihn gehen lassen zu können blieb sie gefangen im Glauben diese eine, wahre Liebe wieder zu finden. Der Glaube hält an Altem fest, das Vertrauen begrüßt das Neue.

Es war der Glaube, der überlebte, in mir wieder erwachte und auf die Suche ging. Ich habe es wieder gefunden, oder es hat zu mir gefunden, das Gefühl von bedingungsloser Liebe, und ich konnte es wieder aufleben ließ, durfte erleben und fühlen was es heißt bedingungslos zu lieben und sich bedingungslos geliebt zu fühlen. Es war das schönste Geschenk was ich je erhalten habe, ein so inniges und leichtes, so tiefes und höchstes aller Gefühle. Die Liebe sollte nicht von Dauer sein, wie auch? Sie war lange vor meiner Zeit bereits gestorben. So unerwartet sie in mein Leben getreten war, so haltlos ist sie dann auch wieder verschwunden. All die Liebe und all der Schmerz, die ich die letzten Jahre gelebt habe, waren echt, es waren Liebe und Schmerz der Waldläuferin, die Fortsetzung der Geschichte meiner Seele. Es war ihre Geschichte, die ich zu einem Ende bringen sollte und seine Seele war da, um mir dabei zu helfen.

Die Liebe der Waldläuferin endete im Tod, so wie beide Seelen seitdem mehrfach Leben und Tod erlebt haben. Auch seine Seele liebt noch immer, und da ist auch Schmerz. Ohne Schatten kein Licht. Schmerz und Wunden, die unseren Seelen über all die Jahre und Leben zugefügt wurden, zeigen sich mir mit der Schönheit. Jedem Anfang geht ein Ende voraus, jeder Heilung ein Schmerz. Ich habe meine Quelle der Kraft gefunden (oder sie mich) und kann dank ihr in die Dunkelheit gehen. Nicht jeder hat Zugang zu seiner Quelle der Kraft, vielleicht auch kein Vertrauen in sie. Vielleicht fehlt der Glaube an die Geschichte, an das Erleben der eigenen Seele, die den Zugang zur Vergangenheit erlaubt. Vielleicht ist aber auch mehr Vertrauen als Glaube da, was verschlossen lässt, was vergangen ist. Was ein weiter gehen in eine unbekannte Zukunft sein kann, ein neues Kapitel, das nicht an das letzte anknüpft, das die Geschichte nicht weiter schreibt, sondern neu beginnt. Vielleicht ist das ein Weg die Büchse der Pandora geschlossen zu lassen. Sie in Frieden ruhen zu lassen.

Das sollte nicht mein Weg sein. Für mich öffnete sich die Büchse und mit ihr alle Schönheit und all der Schmerz, den diese Liebe in das Leben der Waldläuferin gebracht hatte. Sie waren nun in meinem Leben, mit aller Intensität und Präsenz. Das ist meine Art zu leben. Die Seele, nach der die Waldläuferin in mir lange und sehnsüchtig gesucht hatte, kann nicht mehr mit mir teilen, was damals war. So habe ich diese Liebe, das höchste der Gefühle, und meinen Seelenverbündeten, meinen soulbuddy, der so tief mit mir verbunden war, verloren. Meine Seele hat ihre alten Wunden wieder gespürt, all der Schmerz der damals keinen Raum hatte war jetzt da und hat sich den Raum genommen um gefühlt und geheilt zu werden. Sie hat aber auch die Freuden wieder gespürt und die Erinnerung an diese Gefühle aufleben lassen, mich erleben lassen wie sich bedingungslose Liebe anfühlt. Ich sollte den Schmerz bewusst fühlen und den Tod dieser Liebe betrauern. Ich sollte uns von dem Erbe der Wunden befreien und den Weg zu Ende gehen, einen neuen Anfang finden, der mit dem alten abschloß. Das ist meine Art was vergangen ist in Frieden ruhen zu lassen. Es hätte mich nicht in Ruhe gelassen, wär ich nicht bis zum Ende durch Trauer und Schmerz gegangen. Das ist der Grund warum ich so viele Jahre so viele Tränen um ihn geweint habe. Der Grund warum der Verlust dieser Liebe immer wieder mein Herz gebrochen und mich in Traurigkeit gestürzt hat. Es waren die ungelebten Schmerzen der Waldläuferin, die ungeweinten Tränen, die sich immer wieder ihren Weg in mein Leben bahnten.

Der Kreislauf hat sich geschlossen. Sie musste erleben, dass auf bedingungslose Liebe der Tod folgt und so habe auch ich es empfunden. Mit dem Tod kam die Freiheit. Mit dem bewussten Erleben vom Tod der Liebe und aller Bilder, die damit zusammen hingen hat sich das Trauma der Waldläuferin aufgelöst, die Wunden haben sich geschlossen. Ein neuer Kreislauf kann beginnen, ein neues Erleben der Liebe, ohne die Spuren der Vergangenheit und mit dem Wissen wie sie sich anfühlt, die einzig wahre Liebe, die bedingungslose Liebe.

Verspüre ich Vertrauen in dieses neue Erleben? Ich wage es noch nicht so recht, Vertrauen braucht Zeit um zu wachsen und die Zeit ist wohl noch nicht ganz reif, der Tod noch etwas zu nah. Es braucht wohl noch ein paar Vollmondnächte, die dieses besondere Licht ins Dunkel zaubern.

Was bleibt

Was ich zweifellos spüre ist Dankbarkeit. Unendliche Dakbarkeit dafür, dass ich alles erleben durfte, den Schmerz und alle Schönheit, dass unsere Seelen sich getroffen und einen Teil des Weges geteilt haben, dass ich erleben durfte was wirklich war, was wirklich ist und was meine Wirklichkeit sein kann. Ich bin dankbar dafür, dass sich die Waldläuferin mir offenbart hat, dass meine Seele zu mir spricht, mir vertraut, sich mir anvertraut und mir zumutet ihren Weg weiter zu gehen. Ich bin dankbar dafür, dass mir die Waldläuferin ihr Herz geöffnet hat, wir ein Herz teilen und ich ihre Geschichte als meine erleben durfte. Ich bin dankbar für die intensiven und wunderschönen Begegnungen mit der anderen Seele und dem anderen Herzen, das sich mir geöffnet hat. Ich bin dankbar für alle Erfahrungen, die dazu beigetragen haben, dass meine Seele die seine erkannt, akzeptiert und hat gehen lassen können. Ich habe gelernt zu respektieren, dass jeder seinen Weg finden und gehen muss und ich habe Achtung und Anerkennung dafür, dass auch er seinen gefunden hat. Den eigenen Weg zu finden ist was uns einzigartig macht, ihn zu leben bedeutet authentisch zu sein, sich nicht zu verstellen um zu gefallen, das erfordert Mut. Ich bin dankbar für diese Jahre, in denen ich immer wieder eine Tiefe von Liebe spüren durfte, die über alles hinaus geht was ich bis dahin kannte. Und ich bin dankbar dafür, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben mit der Frage beschäftigt habe was Liebe wirklich ist, dass ich Fragen gefunden und nach Antworten suchen konnte. Noch immer tue. Ich bin dankbar für die harte Schule der Jahre, die diesem Wiedererleben der Liebe, der höchsten Prüfung in meinem Leben, voraus gegangen ist, dass ich darin gelernt habe gehen zu lassen, zu akzeptieren und anzunehmen, anzuerkennen und zu schätzen, was mir geschenkt wird. Ich habe Vertrauen darin, dass genau dies mein Weg ist, der mich mit eben diesem Vertrauen, zur Vollendung und Ganzheit führt. Und ich kann akzeptieren und annehmen, dass ich die Reise erlebe, die ich brauche, auch sei es nicht immer die, die ich mir wünsche.

Dies waren meine Geschichte, mein Empfinden und meine Tränen der letzten Jahre. Dies war die höchste Prüfung für mich – der Tod der Liebe meiner Seele – so wie die Liebe das höchste Gut im Leben ist. Mehrfach bin ich in diesem Jahr dem Tod begegnet, meinem eigenen Tod und dem Tod von Anteilen meiner selbst. Immer war er schwarz und dunkel, tief und kalt, zuletzt jedoch in all seiner Schwärze und Dunkelheit auch schön und frei. Nach langer Zeit und vielen Runden habe ich erkannt, dass Liebe Freiheit ist und dass ich all meine bekannten Wünsche und Bilder von der Liebe gehen lassen darf, um Platz für neue zu machen. Die Liebe ist immer da, sie war schon immer da, auch wenn da erstmal nichts ist. Ich habe mich von den Wunden der Waldläuferin befreit, damit meine Seele Frieden finden und die Liebe für mich neu erblühen kann. Mit ihr war und bin ich in Mitgefühl verbunden und werde es immer sein. Diese Liebe endet nie.

Die Liebe darf wieder Freiheit sein. Der Schmerz der Waldläuferin ist gespürt, gelebt, befreit und geheilt. Jetzt gibt mir die Schönheit Kraft für neue Herausforderungen.

So sei es! Aho! Inshallah!

Danke dafür, dass du an meiner Geschichte Anteil genommen hast.

🙂

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