pain of past experiences

Es hat gearbeitet in mir seit ich Anfang Dezember in meinem letzten Beitrag meine Erfahrungen sexueller Übergriffe niedergeschrieben und geteilt habe.

Bewusst und unbewusst hat es mich noch einmal bewegt, mich zu dieser Erfahrung bekannt zu haben. Ich habe mich nicht per se gut damit gefühlt, wusste jedoch, dass es richtig und wichtig für mich war, das Erlebte nicht tot zu schweigen oder dem Schmerz zu entfliehen. Es nochmals wach und hinaus zu rufen hat etwas in mir gestärkt, ich denke ich kann es Selbstvertrauen nennen und auch Selbstwertgefühl. Ich habe den vielen Gefühlen einen Namen gegeben, sie sichtbar gemacht, mich zu ihnen bekannt, mich zu mir bekannt, der Andrea, die geprägt ist von ihren Erfahrungen.  

Doch, will ich mich mit dem Erlebten identifizieren und auf ewig in dieser Identifikation leben? Welche Bedeutung hat es für mich, für mein Ich, mein Ego, das Erlebte Teil von mir sein und bleiben zu lassen? Und was ist wenn ich es nicht tue? Ist nicht auch der Schmerz mit der vergangenen Erfahrung untrennbar verbunden? Ein Gefühl, das ich doch so gerne loslassen möchte. Es ist der Schmerz, der das Herz schwer macht, das Gefühl, das die Erfahrung hinterlässt, nicht die Erfahrung an sich.

Ich möchte mich vom Schmerz befreien, auch wenn die Erinnerung bleiben mag. Wie gelingt mir also das Loslassen vom Schmerz, wenn ich mit #metoo in der Identifikation mit der Ursache bin und bleibe? Identifiziere ich mich so nicht zugleich auch mit dem Schmerz? Ganz oder gar nicht? Keiner oder beide?

Wem nützt diese Identifikation? Wem schadet sie?

Erinnerungen und all die Emotionen die wir mit ihnen verbinden nähren unser Selbstbild, unser Ego. Das ist es womit wir uns identifizieren. Mit dem, was wir erreicht und erlebt haben. Das ist unsere gewachsene Identität. Der Schmerz oft als Teil von ihr.

Ich habe schon oft über Trauer und Schmerz und das Loslassen geschrieben. Auch hier ist es nicht anders. Nach dem Erkennen und dem sich liebevoll zuwenden, dem Anerkennen des Erfahrenen und des Schmerzes kann sich beides auflösen, wandeln, verändern. Der Schmerz heilt und das Erlebte wird zu einer bloßen Erinnerung, klar und still, nicht panisch, stechend oder schreiend. Transformation ist geschehen. Ein Teil von dem, womit ich mich identifiziert hatte, das emotionale Erleben, hat sich aus meinen Zellen und meinem Körper gelöst. Mal wieder mit heftigen Gefühlen und vielen Tränen, die mich nahe einer Ohnmacht erschöpft haben, aber auch zweifellos befreit. Es war kurz und heftig.  

Ein anderer Teil, die rationale Erinnerung wird ohne die emotionale Unterstützung langsam verblassen und sich auflösen. Noch ein Teil? Noch eine Erinnerung, die mich doch zu der Person macht, die ich bin, … oder zu sein scheine, … schien.

Bin, war ich nicht genau das? Die Summe meiner Erfahrungen und Erinnerungen? Und wieder und wieder lasse ich genau diese gehen. Wer bin ich dann noch? Löse ich mich dann nicht allmählich auf?

Ja genau, das tue ich, genau das geschieht. Und ich erkenne einen Sinn in all dem, in diesem Wesen des Prozesses, dem Weg meiner Transformation. Es ist nicht mehr das Tun, Geschehen, Erleben und Erreichen was mich ausmacht, wer ich bin, womit ich mich identifizieren könnte oder wollte, es ist das bloße Sein.

Alles loszulassen, was mich zu der Person gemacht hat, die ich glaube zu sein, glaubte zu sein. Ich stehe an der Schwelle. Hier wackelt auch die Gewissheit zu wissen wer ich bin.  

Wer ich glaubte zu sein war die Summe der Erfahrungen und Erinnerungen, die ich seit meiner Kindheit, bewusst und unbewusst, gemacht und nicht gemacht habe. Das war meine Identität, gleich einer Figur auf der Bühne des Lebens. Mit vielen Kostümen, Accessoires, Requisiten und Schauplätzen. Doch wer steckt hinter dieser Figur? Was steckt tiefer in ihr verborgen? Was ist es, das mich dazu bewegt, oder mir beschert, genau diese Erfahrungen im Leben zu machen? Was hat meine Seele für einen Plan? Wer das wissen will, wer sich nach dem Sinn seines und ihres Lebens fragt wird früher oder später auch zu dieser Frage kommen. Wer bin ich?

Keiner hat gesagt, dass Transformation ein einfacher Weg ist oder in irgendeiner Art bequem, aber für mich sollte es der einzige Weg sein. Der, für den ich mich entschieden habe ohne wirklich zu wissen worauf ich mich einließ. Und doch war es die beste Entscheidung meines Lebens, auch wenn ich dafür die Bühne erst einmal verlassen muss um in den verstaubten Requisiten nach dem Drehbuch zu suchen.

Erfahrungen, Erlebnisse, Erinnerungen, Schmerzen, Freude, Stolz, Reue, Scham, Schuld, Genugtuung, alles was ich in meinem Leben erlebt und gesammelt habe sind Bausteine, die meine Identität ausmachen und stepping stones auf meinem Weg zu mir.

Wir sind wer, je mehr Erfahrung wir im Leben gesammelt haben. Wir sind die Erfolgreiche oder die Gefallene, Opfer oder Täter. Wollen wir es bleiben? Wollen wir lediglich die Seiten wechseln? Oder wollen wir den Weg weiter gehen, abschütteln was uns hält und es wagen die nächste Stufe in die Tiefe zu gehen?

Ich stand vor vielen Jahren vor der Frage weiter leben zu wollen oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden. Damit habe ich in Kauf genommen, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Das war der deal. Es gab, gibt und wird nie ein zurück geben. Was mich erwartete war, dass sich alles, wirklich ALLES ändern würde. Ich habe dort auf dem Springbock auf der Theresienhöhe im Frühjahr 2017 (Hier beginnt meine Geschichte „Der Hund im Weltall“, 2017) angenommen, wovon ich noch nicht wusste was es mir bringen würde. Ich habe dem Unbekannten als meinem Wegweiser vertraut, mich zu navigieren, wohin auch immer ich gelangen sollte. Es hat gedauert bis ich mich wirklich hingeben konnte und hier bin ich jetzt, so oft planlos wie nie zuvor in meinem Leben, aber mit jeder Wendung ein Stückchen reicher und freier, vielleicht sogar weiser, auf jeden Fall echter, klarer und ich fühle sagen zu können, dass ich begonnen habe Wahrheit in mir zu spüren. Ich habe mich entschieden meinem Seelenplan zu folgen und dazu gehört auch dieser Schritt als Teil der Geschichte. Das Loslassen meiner Identität.

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