An einem Januartag vor dem ersten Vollmond habe ich Botschaften aus der Sphäre der Energie, aus dem Reich des Lichts empfangen. Ich habe sie gehört, gespürt und gesehen.
Es war auch an diesem Tag, als ich verstand, dass die Botschaften aus der Dimension kommen, die ich seither als die lichte Seite allen Seins wahrnehme. Die große Weite, die Unendlichkeit, active side of infinity wie Carlos Castaneda es nennt, die Dimension oder das Reich des Lichts würde ich sagen. Ihr Sein ist die Energie, die alles bewegt, die Liebe.
Wir und alles hier auf der Erde, in unserer materiellen Existenz, machen, in meinem Verständnis, die dunkle Seite aus. Wir sind der Schatten des selben Lichts. Wir sind die materialisierte Wahrheit, das, was das Licht und was uns erreicht, um verkörpert zu werden, was wir aufnehmen und kanalisieren können. Unser irdisches Leben ist das, was aus dem Licht wird, das die Oberfläche erreicht. Hier entsteht der Schatten. Wir sind der Schatten.
Kein Licht ohne Schatten, kein Schatten ohne Licht.
An diesem Abend im Januar war ich voller Aufregung, voll Energie und ungezügelter Begeisterung. Ich war aus dem Häuschen, aufgeregt wie ein junges Pferd auf der Koppel oder die kleine Geiß, die über die Wiese springt. Ich wollte meine Erkenntnis teilen, meine Wahrheit, wollte anstecken, wollte das Feuer auch in anderen entfachen, mit ihnen teilen, was mir die lichte Seite eröffnet hatte. Doch es sollte mir nicht gelingen.
Ich habe mich an diesem Abend, mit all meinem Enthusiasmus ausbremsen lassen, meine Wahrheit verstummen lassen und nicht weiter geteilt, was in mir brannte. Statt dessen habe ich mich auf ein langes Gespräch eingelassen, über längst Vergangenes, alte stories. Ich habe viel Zeit damit verbracht über Dinge zu reden, die nur mehr Schatten waren, Schatten und Erinnerungen aus einem anderen Leben. Details, die nicht mehr zählen, keine Bedeutung mehr haben, kein Leben mehr in sich tragen und nicht fort bestehen. Ich habe an diesem Abend mein Feuer vom Staub meiner eigenen Vergangenheit und vom Mangel an Sauerstoff im verbrauchten Atem nahezu erlöschen lassen, bin weiter und weiter weg vom Licht und zu den anderen in die Dunkelheit gegangen. Da saß ich dann, bis zum bitteren Ende, das mich frustriert und wütend auf den Heimweg schickte.
Wie sehr wir doch die Größe fürchten, das, was jenseits des Vorstellbaren liegt, was über unseren Horizont hinaus geht. Doch unser Horizont ist flach, nicht höher als Augenhöhe. Unsere Grenze ist das menschliche Maß. So fühlen wir uns sicher, so haben wir alles im Blick und unter Kontrolle. Hier ist unsere Komfortzone.
Was sich unserem Blick entzieht soll nicht sein, darf nicht sein, macht Angst und uns so furchtbar klein.
Ja, wir sind klein, ganz winzig klein sogar, im Angesicht von all dem, was mit Leichtigkeit selbst über unsere Vorstellungskraft hinaus geht. Doch warum haben wir nicht mehr Mut den Blick zu heben und hin zu sehen? Schließlich sind wir hier, wir sind ein Teil des Ganzen und das hat seinen Grund. Nicht weil wir schlauer, stärker oder erhabener wären als „der Rest“ des Universums, nein, sicher nicht! Wir sind da, weil jedes Licht einen Schatten braucht, weil nur Licht und Schatten ein Ganzes bilden. Weil die Energie, die Liebe, nach Ganzheit strebt und nach Verbindung.
Das Licht der Wahrheit, das Licht des Universums, der Unendlichkeit, bleibt ohne Schatten unsichtbar, bleibt ein großer heller Schein, der keine Form und keine Erkennung hat. Wir sind es, die den Schatten brauchen um zu sehen, uns zeigt sich Form und Gestalt nur im Kontrast. Also manifestiert sich hier, für uns, was sich uns zeigen will, und hier wird sichtbar, was dort entsteht. So tragen wir durch unsere Notwendigkeit für Schatten zur Ganzheit von allem bei, weil die Vollkommenheit des Lichts, der Unendlichkeit, des Universums, nur mit ihrem Schatten greifbar wird.
Und doch begreifen wir sie nicht. Nehmen wir sie nicht an.
An diesem Abend habe ich nicht die Gelegenheit bekommen meine Wahrheit zu teilen. Auszusprechen, was mir heilig war und was mich so sehr bewegte und erfüllte. Doch ich glaube, dass alles immer so kommt wie es soll. Das Leben macht keine Fehler.
Mir wurde klar, dass ich mich hatte zurückhalten lassen, dass ich mich von meinem Weg hatte abbringen lassen, wie ich es auch in anderen Bereichen meines Lebens geschehen lasse. Dies war ein Exempel und ein drastisch ehrlicher Spiegel für mich. Es war niemands böse Absicht oder Ziel mich zu demotivieren oder zu deprimieren, es war meine Entscheidung, die mich dazu brachte nicht in meiner Energie, in meiner Kraft und in meinem Feuer zu bleiben. Mir wurde eine Möglichkeit gegeben und ich habe ein Abbild des status quo erhalten. Hier stehst du, so hast du dich entschieden. Wie fühlt sich das an? Möchtest du das? Nein? Dann bleib bei dir! schien die Nachricht.
Diese Erfahrung konnte ich nur machen, weil ich in Gesellschaft anderer gespiegelt wurde, und so die Gelegenheit hatte, mich selbst wahr zu nehmen. Mir meiner selbst bewusst zu werden. Wo stehe ich? hätte die Frage sein können, die hier eine Antwort finden konnte. Hatte ich die Frage gestellt?
The journey never ends. Ich gehe den Weg immer weiter, auf dem ich mich beobachten und erkennen darf. Einmal in den kalten Fluss gesprungen kommt man so schnell nicht mehr raus. Was bleibt ist Dankbarkeit für die Klarheit. Licht im Dunkeln.
Was ich außerdem mehr und mehr beginne zu begreifen ist, dass die Wahrheiten, die sich mir an diesem und in den darauf folgenden Tagen und Wochen zeigten, kurze Lichtblicke waren. Nicht gekommen um zu bleiben. Es sind Blitzlichter, die den Weg in mein Empfinden finden. Dort erwecken sie Bilder und Gefühle zu dem, was sich mir in Verbindung zum Reich des Lichts und zu ihrer Energie zeigt. Die Energie, die uns alle umgibt und durch uns durch fließt. So intensiv und unmissverständlich meine Wahrnehmungen oft sind, so schnell tauchen sie auch in mein Unterbewusstsein ein, bleiben nicht hier präsent um ausgesprochen zu werden. Ich darf lernen zu unterscheiden: was will wahrgenommen und was will ausgesprochen werden? Und was braucht vielleicht noch seine Zeit um zu einem Ganzen zu werden, sich zu manifestieren und zu entfalten? Wann wird aus der Raupe der Schmetterling?
Und es gibt da noch eine dritte Dimension: das Aussprechen der eigenen Wahrheit. Zurück zur Ehrlichkeit.
Mir, wie jedem anderen Menschen auch, ist die Verantwortung zuteil Ehrlichkeit all unsere Worte regieren zu lassen, doch wir haben es verlernt. Wir haben es uns im Laufe der Sozialisation abgewöhnt, denn es ist so oft so viel bequemer nicht ehrlich zu sein. Es ist ein Prozess, ein Weg der Achtsamkeit und des Lernens, um wieder Ehrlichkeit aus uns sprechen lassen zu können, um der Wahrheit mit unseren Worten gerecht zu werden. Doch das erfordert Geduld und Hingabe. Und wir können dabei stolpern und fallen und machen vielleicht eine schlechte Figur. Oder schlimmer noch, wir stören und verstören.
Ehrlich wäre gewesen, an diesem Abend das Thema zu wechseln, mitzuteilen was mich so sehr bewegt , ob sie es nun verstehen oder nicht. Zu mir zu stehen und meiner Wahrheit eine Stimme zu geben, war die eine Option, oder sogar das Feld zu verlassen, um in meiner, dieser wunderschönen, magischen Energie zu bleiben. Es gab viele Wege, doch ich habe den Mut nicht gehabt das Ruder in die Hand zu nehmen und womöglich verständnislose Gesichter zu sehen. Es war meine Hoffnung, dass wir doch noch die Oberfläche verlassen würden, und mein Wunsch nach Verbindung, die mich haben passiv bleiben lassen. Hoffnung ist nur dort wo kein Vertrauen ist, der Wunsch nicht Realität. Ein Teil von mir wusste das. Und was ich auch weiß, es war alles so wie es sein sollte.
Wir machen uns nicht gerne unbeliebt, und so sprechen wir zu oft aus, was gerne gehört wird, und lassen dabei die Perlen der Wahrheit auf dem Grund des Meeres liegen. Doch zu kostbar sind sie und so mächtig. Die Perlen der Wahrheit, der Weisheit des Lichts, bis zu denen der Schein des Vollmonds dringt. Es ist sein Licht, in dem alle Wahrheit sich zeigt. Stehen wir der Wahrheit nicht im Weg können wir auch ihr Schatten sein. Schatten der Wahrheit selbst. Können auch sie materialisieren, manifestieren, verkörpern. Müssen wir dafür erst Worte finden? Oder geht es darum die Wahrheit ganz „einfach“ zu leben?!
Handeln, nicht reden. Und schon ist die nächste Komfortzone in Gefahr.
Aber auch nicht mehr als das, oder?
Wo stehen wir?
Wo stehe ich?
Dunkelheit?
Licht!
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