Ein ganzer Kreislauf

Manchmal braucht es etwas länger, bis sich alle Teile zeigen, bis sichtbar wird was sich entwickelt hat und wozu die einzelnen Erlebnisse und Emotionen führen konnten. So auch in meinem Erleben der letzten Tage und in der Rückschau auf die letzten Wochen.

Ich möchte diesen ganzen Kreislauf mit euch teilen, auf die “Gefahr” hin, dass ich mich in einigen Schilderungen wiederhole, aber in der Wiederholung erkennen und lernen wir. So erkenne auch ich im Aufschreiben immer wieder etwas Neues und mir offenbaren sich neue Zusammenhänge und kleine Erkenntnisse. Das sind die kleinen Perlen im täglichen Leben, die ich sammle und mit euch teile.

21.12.2020: Loslassen

In einem Visionwalk im Wald, den ich mit der Frage begonnen habe was ich noch loslassen darf, habe ich am Bach auf der kleinen Holzbrücke die Antwort erhalten mich selbst loslassen zu dürfen. Gemeint war damit die Erwartungen, die ich an mich stelle, die Vorstellungen und der Druck, den ich mir hin und wieder selber mache. In der Stimme, die meine Erwartungen ausspricht spricht mein Ego zu mir, welches mit so auch gleich Kritik an mir mitbringt, und mir zu verstehen gibt, dass ich so, wie ich bin, wenn ich einfach bin, nicht ausreiche, nicht gut genug bin. Es ist eine sehr heilsame Übung diese Stimme zum Schweigen zu bringen, doch nicht indem man sie unterdrückt, sondern indem man sie anhört, erkennt, anerkennt und ihr Gehör und Aufmerksamkeit schenkt. Jede Stimme, die sich erhebt will gehört werden, so auch diese und jede Stimme in dir hat ihren Grund, ihre Berechtigung warum sie da ist. All diese Erwartungen und Forderungen hatten mal ihre Berechtigung, wollten mich vor etwas schützen, vor schmerzhaften Erfahrungen des Scheiterns vielleicht oder vor dem Gefühl nicht zu genügen.

Was sich jedoch bis heute geändert hat ist meine eigene Einstellung zu Begriffen wie “Scheitern” und “nicht zu genügen”. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie in meiner heutigen Einstellung zu mir selbst und dem Leben noch Gültigkeit haben, ich empfinde sie nicht als Teil meiner Realität und sie haben keine Wirkung auf mich, keine Energie mehr. Somit sind die gut gemeinten Forderungen meines Ego Stimmen von gestern, die in meinem heute einfach verklingen können, jedoch nicht ohne sie gehört zu haben und anerkannt zu haben, dass sie einmal für etwas gut und mir nützlich waren. Das ist der Lauf der Veränderung eigener Muster und Glaubenssätze: hören, erkennen, anerkennen, gehen lassen. Und je öfter wir diesen Weg gehen um so einfacher wird es 😉

An diesem 21.12. und in den Tagen darauf habe ich mich also selber losgelassen und Platz geschaffen für etwas neues, etwas anderes, was diesen Raum einnehmen darf und möchte. Etwas, was jetzt zu mir passt und meine heutige Realität ausmacht.

Ende Dezember 2020: Die Probe

Ungewissheit, Unentschlossenheit und Unklarheit haben mich einige Tage und immer wieder begleitet als es aufs Ende des Jahres zuging. Ich hatte diese Idee weiter nach Sarajevo zu fahren, aber irgendwie habe ich mich auch nicht ganz bereit gefühlt. Zudem waren da noch andere Gefühle, die meine Energie beansprucht haben und dazu hat es ganz furchtbar gestürmt und geregnet. Also bin ich nicht, wie gedacht, an diesem einen Tag aufgebrochen, sondern einfach auf der Couch sitzen geblieben, habe es ausgesessen, dass ich keine Entscheidungsfreude und keine Motivation verspürt habe meinen Plan umzusetzten. Schach matt.

Es kann ganz schön nervig sein Tage der Unklarheit und Ungewissheit, der Unsicherheit und Planlosigkeit zu haben, wenn man unterwegs ist um zu reisen. Im Idealfall bewegt man sich in Regionen mit kurvigen Bergstraßen im Winter und früher Dunkelheit am besten vorbereitet, noch dazu mit den Besonderheiten, wie Ausgangssperren, geschlossenen Hotels, Apartment und Lokalen, die Corona mit sich bringt. Planlos kann da schonmal ungemütlich werden.

Was ist also gut an Unklarheit und Unentschlossenheit? Kurz nach Neujahr habe ich es begriffen. Indem ich nachgab, bin ich mir treu geblieben. Ich hatte mich selbst, mein Ego, Erwartungen und Forderungen losgelassen und das war das Ergebnis. Keine neuen Erwartungen und keinen neuen Druck aufzubauen, sondern in dieser Leere zu verweilen, in Unklarheit auf der Couch zu bleiben. Es war ein kleiner Triumph. Auch so fühlt sich also Leere an, zumindest die, die auf Erwartungen folgt. Es war geglückt, es war mir gelungen diesen Schritt zu gehen. Was sollte wohl als nächstes kommen? Einfach da sein, mit der Unklarheit und Unentschlossenheit. Und so ist es gekommen, ich bin in Sarajevo geblieben und habe mich noch immer nicht dazu entschlossen wann oder wohin ich als nächstes fahre. Pause.

06. Januar 2021: Hochzeit mit mir selbst

Am Vorabend meiner Hochzeit wusste ich noch nichts von dem kommenden Ereignis, im Gegenteil, ich habe mich gelangweilt. Ich habe mich mit mir gelangweilt, was mir in Jahren nicht mehr passiert ist. Es war ein komisches Gefühl, ich habe mich über mich gewundert und mich gefragt wo das denn jetzt her kommt. Ich wusste nicht so recht was ich damit machen sollte. Ich hatte keine Lust weiter zu schreiben, nicht wirklich ins Bett zu gehen und bin noch eine Weile planlos im Apartment rum getigert. Dann bin ich hat doch irgendwann ins Bett.

Am kommenden Morgen war alles anders. Ich war ganz frei und ruhig, spürte meine Energie ganz in Balance und habe mich in der Meditation und in der Stille angebunden und aufgehoben gefühlt. Meine Anbindung an die Energie des Universums war deutlich spürbar und sie strömte durch mich hindurch Richtung Mutter Erde und zurück. Also nahm ich einen Stift und habe begonnen mein Tagebuch nach all den Erfahrungen und Erlebnissen, nach den Begriffen meiner Emotionen der letzten Wochen zu durchstöbern und mir diese nochmal zu vergegenwärtigen. Ich habe lebhaft in mir zum Spüren gebracht, was ich in den letzten Wochen erlebt hatte und so ist das neue Bild meiner Selbst entstanden. Hier war es, das neue Bild, was den Raum einnahm, wo vorher das Selbst der Erwartungen, Vorstellungen und der Kritik residiert hatte. Dieser Raum, den ich frei gegeban hatte konnte sich neu füllen und es war ein wirklich erfüllendes Erlebnis. So erfüllend, dass ich voll Selbstliebe beschloss mich selbst zu heiraten.

An diesem Morgen heiratet ich all die Anteile von mir, die in den letzten Monaten und Jahren zu mir gefunden haben. Und ich eröffnete den Weg für den den ewigen Bund meines Herzens und meiner Seele. Meine Seele, die Waldläuferin ist es, die so viele dieser Eigenschaften und Erlebnisse in mein Leben gebracht hat. Dadurch, dass sie sich mir anvertraut und geöffnet hat, dadurch, dass ich sie angenommen und mich ihr gewidmet und ganz hingegeben habe, wurde ich mit den tiefsten, innersten Schätzen meiner selbst beschenkt Das ist das Bild, was ich nun von mir habe. Ich habe meine Seele angenommen, mit allem was sie mitgebracht hat, schon lange bevor ich geboren wurde. Mit all den wirklich schwierigen Herausforderungen, den Schmerzen und dem Leiden, der Schönheit und Stärke. Ich habe sie gefragt, ob sie bei mir bleiben will und mich für den Rest meines Lebens begleiten und leiten möchte und ihr das Geschenk ewigen Verbundenheit mit meinem Herzen angeboten. Liebe, Heimat und Erfüllung waren die drei Worte, die ich ans Universum geschickt habe und damit auch mein Versprechen an meine Seele. Ihr bis ans Ende meiner Tage Liebe und eine Heimat zu geben und das tiefe Gefühl der Erfüllung. Sie hat Ja gesagt. 🙂

07. Januar 2021: Hochzeitreise und Nacht

Zur Feier des Tages bin ich mit Otis, Herz und Seele in die Berge zum Snowboarden gefahren. Es war herrlich, ich habe nicht meine beste performance hingelegt, aber das war egal, ich habe es einfach genossen den ganzen Tag draußen im Schnee, umringt von Wäldern und Bergen zu verbringen und mich nach der letzten Abfahrt in die schöne Hütte in die Nähe des Feuers zu setzen und den Tag in tiefer Zufriedenheit und Glück ausklingen zu lassen. Ich habe auch hier wieder inen Moment gehabt, in dem ich so viel Glück über die Schönheit meines Lebens und Erlebens gespürt habe, dass große Berührtheit und Tränen in mir aufgestiegen sind. Ich hatte nicht das Gefühl ihnen hier ganze Fteiheit schenken zu können, aber die spätere Atemsession sollte mir diese Erfüllung auf anderem Wege zeigen und spürbar machen.

Abends wieder zu Hause angekommen habe ich wie schon oft an einer breathwork session mit Phillip teilgenommen. “Get high on your own supply” hatte eine ganz besondere Bedeutung am gestrigen Abend. Es war das physische Erleben und die Bilder von Erfüllung vor meinem inneren Auge. Meine Seele hat sich in mir entfaltet, es war ihr willkommen in mir. Ich habe gespürt wie meine Brust sich öffnet, als wäre sie die Lunge der ganzen Welt, ich habe das Leben eines Baumes in mir gespürt, wie er in mir wächst, seine Wurzeln, sein Stamm, seine Rinde, seine Äste und Blätter, ich habe die Energien des Waldes gespürt, der ihn umgibt, den Nachthimmel gesehen, der mit all seinen Sternen Nacht für Nacht vorüber zieht, die Bäche und Flüsse, die den Baum speisen und die Winde, die auch ihn immer wieder befreien, vom Staub des Alten und Vergangenen. Die Waldläuferin hat ihren Raum in mir eingenommen und mir all ihren Raum und Reichtum mitgebracht. Das war die Manifestation ihres Ja, die Integration, der Einzug, das zu Hause ankommen.

In der Nacht hatte ich Träume, doch vor allem einen Traum, den von meinem Feuer, einer Umarmung, seinem Kopf auf meiner Brust und dem Gefühl inniger Verbundenheit, Liebe und Lust. Ich bin aufgewacht mit diesem Gefühl der Liebe, der Umarmung meiner Brust, die noch immer so frei und groß ist wie die Krone des Baums und dem Gefühl dass die Lust in mir wieder wach ist, mein Feuer wieder ein bisschen heller brennt und bereit ist zu wärmen und Licht zu schenken. Ich habe genug davon um es zu teilen, teilen lässt die Liebe wachsen.

Danke dass ich dies mit euch teilen kann und dass ihr teil nehmt an meiner Reise und meinem Erleben.

2 thoughts on “Ein ganzer Kreislauf

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  1. Liebe Andrea,
    dieser post hat mir sehr gut, vielleicht am besten bisher gefallen. Du bist in deiner Halbzeit an einem wichtigen und wie mir scheint sehr glücklichen Punkt in deinem Leben angekommen. Es war eine gute und richtige Entscheidung diese Reise zu machen. Sehr wach und gut formuliert kannst du vermitteln was in Dir vorgeht, und wie Du dich in den 3 Monaten entwickelt hast. Aber auch dass es mentale Anstrengung bedarf. Dir scheint eine tiefe Spiritualtiät inne zu wohnen.
    ich habe auch große Lust auf eine Reise mit mir alleine bekommen…….so viel Mut wie du habe ich aber leider nicht!
    Wenn ich ihn allerdings finden werde geht es in den Himalaya. Dort hatten wir die glücklichsten Reisen und für mich beglückend, den Kontakt zum Buddhismus.
    Ich würde auch gerne noch mehr über die Begegnungen mit dem Land, den Lebensumständen und den Menschen erfahren. Ich freue mich auf weitere Nachrichten und schöne Bilder von Dir.
    In Liebe Mama

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