Auch Grosi und Karl spielen eine kraftvolle Rolle in meinem Leben und es gibt immer wieder Momente, in denen ich unendlich froh bin sie als Stützen in meinem Leben zu spüren. Ich weiß noch, als ich im Sommer 2019 nach einem heftigen Sommerregen durch die duftende Landschaft zwischen Attersee und Traunsee wanderte und mich alles, alles in diesem Moment an Grosi erinnerte, ich sie förmlich in mir spürte. Der Blick auf die grünen Hügel, die Berglandschaft im Hintergrund, der Duft von nassen Wiesen und die klare Luft. In meiner Liebe für die Landschaft und den Moment spürte ich ihre Liebe, ihre Freude, ihre unerschütterliche Zuversicht und ein Gefühl von Heimat und Zufriedenheit. Im Wald blieb ich stehen, als ich ihre Energie und die von Karl an ihrer Seite spürte. Sie zeigen sich mir in der stillen, kraftvollen Präsenz und mit der Energie von Bäumen, alt, weise, verwurzelt und freundlich. Sie begleiten und stärken mich seither sehr präsent, besonders wenn es dunkel wird in meinem Leben. Sie ermutigen mich, wenn mein Weg mich in die Stille und Dunkelheit führt, und sie haben mich gelehrt dort in der Stille zu hören und in der Dunkelheit zu sehen.
Auch sie vermisse ich trotzdem manchmal, Grosis Lachen, ihre lustige, heitere Art und das nährende, liebevolle, was sie auf mich ausstrahlte. Karl mit all seiner Liebe und Freude, die er so gerne teilte, so wach und präsent, interessiert und von Herzen teilnehmend an meinem Leben. Das machte die beiden sehr besonders für mich und es gibt Tage an denen ich mir nichts sehnlicher Wünsche als eine Umarmung von ihnen zu spüren und ein Blick in ihre Augen.
Seit sich mir das Türchen geöffnet hat und ich ihre Präsenz in der Dunkelheit spüre bin ich der Nacht näher gekommen, bin ich auch manchmal in der Dunkelheit gerne in der Natur und lasse sie auf mich wirken. Die Natur, die auch in der Nacht lebt und ebenso freundlich ist wie am Tage, in der sich auch die scheuen Tiere nach draußen wagen und auch die leisen Töne zu hören und die sanften Bewegungen zu spüren sind. Die Nacht, die so herrlich frei ist von unserem Lärm. Mir scheint dann, als würden Grosi und Karl mir einen Einblick gewähren in ihre Welt, und auch in ihr Leben, das beiden auch Phasen von großer Tiefe und Dunkelheit beschert hat. In der Nacht und im dichten, dunklen Wald habe ich Grosi und Karl aufgesucht und sie sind es, die mich letzten Sommer begleitet haben, als es wieder dunkel wurde um mein Herz. Mit ihnen habe ich im Wald geredet und sie haben mir gezeigt, haben mich erspüren und mich erinnern lassen, dass auch sie diese Dunkelheit kennen und erlebt haben und dies etwas ist, das sie verbindet. Ich fühlte mich auch ihnen verbunden, Schritt für Schritt ein Stückchen mehr. Sie waren da, letzten Sommer, als in mir die Hoffnung zu sterben begann, dass ich mein Leben mit dem Mann, den ich liebte, teilen können würde.
Die Liebe stirbt nicht, sie ist unendlich und grenzenlos. Es ist der Körper, der stirbt, wenn ein geliebter Mensch uns verlässt. Die Liebe verlässt dann ihre sichtbare Hülle, befreit sich von der Form und Gestalt in der sie auf Erden gelebt hat und uns begegnet ist. Die Energie der Liebe bleibt.
Wenn eine Liebe(-sbeziehung) zu Ende oder nicht in Erfüllung geht, ist es unser Bild von dieser Liebe was stirbt, die Form und Gestalt, die wir ihr gaben. Das Bild, welches wir selber gemalt haben, das all unsere Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnung auf Erfüllung beherbergt, stirbt, es löst sich auf. Deshalb ist das Ende unseres Bildes und zuletzt auch der Hoffnung, das Loslassen der eigenen Definition von Liebe, unseres Verständnisses, Erlebens und unserer Wahrheit von Liebe, so schmerzhaft. Es ist ein Teil unserer selbst, den wir sterben spüren, aber es ist nicht die Liebe selbst, die stirbt!
Liebe stirbt nicht, Liebe ist Energie, sie befreit sich lediglich von dem Bild, das sie gefangen, definiert und in einen Rahmen gezwängt hat. Die wahre, bedingungslose Liebe tragen wir in uns, bis zu unserem letzten Atemzug, und ihr so viel Freiheit zu geben, wie uns möglich ist, ohne Bild und ohne Rahmen, lässt sie atmen, leben, pulsieren und wachsen. Mit dem letzten Ausatmen befreit sie sich dann auch aus unserem Körper, um in ihrer wahren Gestalt, der Freiheit, weiter da zu sein.
Das haben mir Pä, Grosi und Karl geholfen zu verstehen und mich dabei unterstützt den Tod der Hoffnung, den Tod eines Teils meiner Selbst und das Loslassen von den Bildern zu erleben. Ihre Liebe hat durch den Tod in die Freiheit gefunden und sich von allem befreit, was sie zu Lebzeiten in Bildern, Rahmen und Grenzen beschränkt haben mag. Und so sehr ich sie auch manchmal hier bei mir, auch jetzt wieder, in diesen ersten Tagen im Februar, vermisse, so dankbar und glücklich bin ich, dass sie mir nun ihre, freie Sicht auf die Liebe eröffnen können und dass ich diese Liebe kennenlernen durfte. Ich habe bedingungslose Liebe erfahren und durfte sie teilen. Ich weiß, wie sie sich anfühlt. Dass ich sie nun kenne, erkenne und weiß, dass ich sie in mir trage, haben sie mir geholfen zu verstehen und zu erkennen. Nun da ich wieder weiter ziehe auf meinem Weg stehen sie mir zur Seite, ermutigen mich, weiter meinem Herzen zu folgen und sie unterstützen mich dabei, auch in und durch die Dunkelheit zu finden.
Gehen muss, darf, kann und will ich den Weg selber, und ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich meinen Weg gefunden habe und ihm folge. Da gibt es auch keine Abkürzung und keine andere Möglichkeit. Das ist ok.
Sie sind da, wenn ich nicht weiter weiß, die Fragen mich überfordern, die Situation mich zweifeln lässt oder einfach um mir ein bisschen Wärme, Geborgenheit und Schutz zu schenken. Daraus schöpfe ich Kraft weiter zu gehen, dem Weg meines Herzens nach, welches uns mit jedem Schritt, den wir gemeinsam tun, ein Stückchen des größten Glücks erfüllt.
Sehr ausdrucksvoll und nachfühlbar, was Sie schreiben. Das Beste was uns der Tod bietet ist die Erinnerung an das Leben und das spendet irgendwann den Trost, den wir brauchen.
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Danke für diese berührenden Gedanken und den Blick in Deine Seele und in Dein Herz.
Mama
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