Februar – Tage des Gedenkens oder Das Geheimnis der Liebe liegt im Tod

Als ich heute Morgen wach geworden bin wusste ich noch nicht, dass mich diese Gefühle, Erinnerungen und Energie heute ganz plötzlich so lebhaft begleiten würden. Ich war seit Wochen, vielleicht Monaten nicht mehr auf fb, aber heute wollte ich etwas nachschauen und bin als erstes auf die Erinnerung mit dem Foto von Karl gestoßen, meinem „Adoptiv-Opa“ und Lebenspartner von meiner Schweizer Oma „Grosi“, Elsa, wie sie mit richtigem Namen hieß. Dieses Foto und die Momente, die ich mir genommen habe um es auf mich wirken zu lassen und zu spüren, dass Liebe und Verbundenheit in mir aufkommen, haben mich ein Stückchen näher zu mir gebracht, mein Herz wacher und präsenter da sein lassen und mein Empfinden für mein Herz gestärkt. Ich spüre es jetzt mehr, seinen Puls und seine Kraft und ich weiß, dass es auch von meiner Erinnerung an, und den Energien derer lebt, die nicht mehr bei mir sind.

Es gibt immer wieder Tage im Jahr, an denen ich mich den geliebten Menschen, die nicht mehr hier mit uns leben, nahe fühle und an sie denke. So war die erste Hälfte des November geprägt von dunklen Tagen, an denen ich mich der Unterwelt nahe fühlte, die Pforten ins Reich der Toten offen standen und damit ein grauer Schleier und eine schwere Energie über den Tagen lag. November ist ein Monat des Abschieds, viele Menschen sind in diesem Monat gestorben und haben sich auf den Weg durch die offenen Pforten in die Unterwelt gemacht, unter ihnen im Jahr 2005 Grosi und 11 Jahre später, in den dunklen Wochen des Winters 2016 auch Karl. Der plötzliche Tod Grosis hat mich bis in die Tiefen meines Herzens erschüttert. Ich glaube heute, dass ich in diesem ersten Verlusttrauma nach meiner Kindheit lange gefangen war. Der Verlust ihrer Präsenz und Liebe hat mir das Jahr in Zürich emotional immer wieder zu einem kleinen Albtraum werden lassen, den ich nur durch extrem viel Disziplin und Struktur und durch die sich stärkende Verbindung zu Karl bewältigen konnte. Jahre später gab es einen Moment im Februar 2009 (ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen), in dem ich emotional und körperlich, aber damals für mich noch nicht spürbar, unbewusst, in einem Zustand bedingungsloser Liebe war, durch den sich dieses Trauma seinen Weg an meine Oberfläche bahnte und meine Seele und mein Herz sich davon befreiten. Darauf folgten meine glücklichsten Jahre, die Jahre in Amsterdam, in denen ich von Freiheit, unerschütterlicher Zuversicht und tiefem Vertrauen begleitet war.

Wann genau Omi gestorben ist, weiß ich leider nicht mehr, es war das Jahr 2003 und ich war in Napoli. Ich habe den Tag der Nachricht und die Beerdigung noch in Erinnerung und in meinem Bild hängen graue Wolken am trüben Himmel, eine Stimmung die ich dem November zuschreibe. Ich war dem Tod an sich damals seltsam fern, ich kann mich an das dumpfe Gefühl erinnern, die sich versteckende Traurigkeit, wie ein Nebel oder Schleier, der sich über alles gelegt hat. Ähnlich hat sich der November über viele Jahre immer wieder angefühlt. Grosis Tod 2 Jahre später hat da vielleicht einen Damm gebrochen, hinter dem sich seit dem ersten Erleben von Tod und Verlust einer so nahe stehenden Person, Trauer, Unverständnis, Unwissenheit und Angst aufgestaut hatte. Heute kommen mir in den seltenen Momenten, wenn Omi mir erscheint und mich überrascht, die Tränen und ich spüre Freude über die späte und vorsichtige Rückverbindung, die wir eingehen.

Im November stehen die Pforten zur Unterwelt offen. Es scheint etwas magisches zu geben, in dieser, mir dunkel erscheinenden Unterwelt, was eine Anziehung ausübt. Vielleicht ist es das Unbekannte, vielleicht die Stille und Tiefe, Frieden und wer weiß, vielleicht wartet dort, am Ende des für uns sichtbaren Weges, auch Heiterkeit und Unbeschwertheit, Sorglosigkeit und Freiheit. Wenn ich die Energie derer spüre, die sich vor langer Zeit auf den Weg dorthin gemacht haben, spüre ich jedenfalls keine Traurigkeit, keine Sorgen oder Nöte, ich sehe die Menschen und ihre Herzen lachen, sogar meine im Leben oft nicht sehr glückliche Omi erscheint mir dann unbeschwert und fröhlich, sogar tanzend, was mich immer sehr rührt und freut.

Als besonders empfinde ich die Energie auch in diesen ersten Tagen des Februar.

Die Tage werden heller und hier scheinen sie sich alle zu treffen und gemeinsam in meinem Leben „Hallo“ zu sagen. Am 9. Februar 2021 jährt sich der Todestag von Pä, meinem Vater Jürgen, zum 4. Mal.

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2 thoughts on “Februar – Tage des Gedenkens oder Das Geheimnis der Liebe liegt im Tod

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  1. Sehr ausdrucksvoll und nachfühlbar, was Sie schreiben. Das Beste was uns der Tod bietet ist die Erinnerung an das Leben und das spendet irgendwann den Trost, den wir brauchen.

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