Ich möchte euch allen danken, die mich zum Schreiben motivieren und von denen ich gehört habe, dass sie meine Beiträge vermissen 🙂 Vielen Dank für eure Energie, euer Interesse und eure Aufmerksamkeit! Es hat wahnsinnig gut getan gestern Abend noch zu schreiben. Ich musste mich ein wenig überwinden. Nach der 6-stündigen Wanderung und dem ersehnten Abendessen war ich ganz schön kaputt, aber ein Gläschen Weißwein, den meine Vermieter hier in Milna auf Hvar in Kroatien scheinbar mit viel Liebe selber machen, denn er ist köstlich (!), hat mich nochmal in Schwung gebracht.
Meine Worte haben gewirkt. Auch die ersten Fotos wieder anzuschauen und mich an die Gefühle zu erinnern, die mit den Orten und Momenten verbunden sind, hat über Nacht etwas in mir in Gang gesetzt. Ich habe geträumt und heute früh war mir klar, dass alles ich bin, dass all das, was ich in den Wochen der Rundreise in Bosnien erfahren und erlebt habe ein Abbild meiner selbst ist. Der Kreis hat sich geschlossen. Das Gefühl, was zum ersten Mal beim Abschied von Sarajevo auftauchte, dass alles eine Reflektion meiner Selbst ist, und sich damals so überraschend, intensiv und wild angefühlt hat, hat sich bestätigt und jetzt mit Klarheit und Tiefe, mit Ruhe und Vertrauen, mit Vertrautheit, die man nur empfinden kann, was man genau das schonmal gespürt hat, von innen raus bis in Haut und Haar. Immer wieder bin ich verblüfft und begeistert über mein Erleben, darüber, wie der menschliche Organismus funktioniert, wie die Psyche, der Geist, die Seele, Emotionen und Überzeugungen ineinander greifen, entstehen und gedeihen.
Alles ist eine Reflektion meiner Selbst. Dieser Satz tauchte zum ersten Mal in meinem Bewusstsein auf, bzw. tauchte daraus hervor und legte sich mir in den Mund, als ich im Dezember in den Tagen vor der Wintersonnenwende in Montenegro im Nationalpark Durmitor spazieren ging. So zumindest meine Erinnerung. Es war ein kalter Nachmittag, es lag Schnee und im Schatten hatten die Minusgrade sogar Einfluss auf meine Kamera. Ich war warm eingepackt und wanderte um den Crno Jezero, den schwarzen See, an dem das Leben still zu stehen schien. Eingefroren und im Winterschlaf. Ziemlich am Ende meines Rundgangs erhob sich am Ufer ein Reiher und flog gemächlich und tief über die spiegelglatte Wasseroberfläche. “Alles ist eine Reflektion deiner Selbst.” Das war die Botschaft der Natur an mich, es bestand kein Zweifel, also nahm ich diese Worte mit nach Haus.
Wie so oft habe ich die Worte wieder vergessen, waren sie mir nicht mehr so präsent in den Wochen und Monaten danach. So ist das oft nach dem ersten Erfahren von Botschaften, Worten, Weisheiten, die auftauchen. Sie sind mir noch nicht gegenwärtig, ich spüre ihre Wirkung noch nicht, obwohl sie bereits Teil von mir sind. Mit großer Intensität wurde ich also in Sarajevo an sie erinnert und gestern Nacht kamen sie aus der Tiefe meines Empfindens und Spürens wieder zu Vorschein – alles ist eine Reflektion meines Selbst. Jeder Weg, jede Begegnung, jeder Baum, Sonnenuntergang, Weite der Landschaft, Kraft und Majestät der Berge, jede Verbindung, die ich in den Wochen meiner Reise durch Bosnien und Herzegovina erlebt und gespürt habe war eine Reflektion meiner Selbst. Das Bild ist komplett, in mir ist in diesen Wochen das ganze Bild gewachsen, das Ich bin, hat sich mir alles gezeigt, was mich ausmacht, hat sich mir mein Selbst offenbart, in Menschen, Tieren, Landschaften und Stimmungen, in Geräuschen, Gerüchen, Formen und Farben. In allem, was mir begegnet ist. Oft habe ich die Hauptroute umfahren, bin stundenlang mit 30km/h auf Schotterstraßen durch Dörfer und Landschaft gefahren, habe immer wieder angehalten um die Umgebung auf mich wirken zu lassen und eine kleine Pause vom Geruckel zu nehmen. Ich habe mir alle Zeit und Raum genommen und gegeben und war in allem ich selbst, bin durch die Landschaft meiner eigenen Seele gefahren, habe mich in allem betrachtet und nun auch erkannt.
Es bedarf viel Raum, viel Leere und Gelassenheit um Neues zuzulassen, Langsamkeit, Offenheit, und auch Stille. Ohne Worte bin ich darum durch diese Wochen gegangen, ohne Bedürfnis zu teilen was ich erlebe, ganz bei mir. In mir und um mich herum. Wir sind größer als das was in uns steckt. Unsere physische Erscheinung ist nur das kleine Abbild dessen was uns ausmacht, so wie ein Stern nur ein kleines Symbol für die Weite und Schönheit des Universums ist.
Deine Reflektionen wunderbar beschrieben.
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